Wir alle sind absolut frei!

Plattenbau vor blauem Himmel / Bild von Moritz Stoll

Freiheit, das ist so ein Thema, das mich in letzter Zeit viel beschäftigt hat. Ich spüre in mir, wie jeder andere Mensch vermutlich auch, das Bedürfnis, frei zu sein! Ich möchte frei sein! Freiheit, alles tun können, was ich will, freie Entscheidungen treffen können. Wären da nicht so doofe Zwänge, wie Geld verdienen, Essen, Schlafen, Verpflichtungen… Aber was genau heißt denn „Freiheit“ eigentlich?

Die Freiheit das zu tun, was möglich ist.

Eigentlich glaube ich nicht wirklich an „Weisheiten“ oder an das, was irgendwelche schlauen Bücher über unsere Gefühlswelt sagen. Aber es gibt so einen Spruch und der lautet „Die Seele hört mit“. Den finde ich gut. Denn auch wenn Worte nur Worte sind, so glaube ich, dass wir jedes mal ein bisschen was davon in uns aufnehmen und es uns zu eigen machen. Letztens habe ich in einem ganz tollen Buch von Jorge Bucay etwas über Freiheit gelesen, bei dem meine Seele aber mal sowas von hellhörig geworden ist! Das Buch heißt „Selbstbestimmt leben“. Zwar klingt das erstmal ziemlich fies nach Ratgeber-Literatur, aber keine Sorge: Ich habe keinen einzigen Ratschlag gefunden!

Jorge Bucay geht in dem Buch unter anderem der Frage nach der Freiheit nach. Oft haben wir ja das Gefühl, gar nicht wirklich eine Wahl zu haben im Leben. Wir müssen schließlich Geld verdienen, wir haben schließlich Verpflichtungen anderen Menschen gegenüber. Ich muss doch diesem und jenen Helfen, das gehört sich doch so… und so weiter und so fort. Die Wahrheit ist allerdings: Muss ich nicht. Ich muss nichts, ich kann mich immer entscheiden. Ich muss kein Geld verdienen, ich muss meine Verpflichtungen nicht wahrnehmen, ich muss meinen Freunden nicht beim Umzug helfen. Ich muss mich noch nicht mal an das Gesetz halten! Ich kann einfach morgen eine Bank ausrauben. Ob mir die Konsequenzen meines Handelns dabei gefallen, das ist natürlich eine andere Sache.

Freiheit heißt nicht, alles tun zu können

In seinem Buch geht Jorge Bucay auch auf Aussagen wie „Wenn ich wirklich frei bin, warum kann ich dann nicht einfach fliegen?“ ein. Geht man aber auf den Begriff Freiheit nochmal etwas konkreter ein, und das tut er, wird schnell klar, dass Freiheit nicht heißt, alles tun zu können. Wir können nicht fliegen, wir können nicht jede Krankheit verhindern oder uns auf den Mond beamen – auch wenn das wirklich cool wäre.

Freiheit bedeutet lediglich, dass wir all das tun können, was im Bereich des Möglichen liegt. Es liegt für mich durchaus im Bereich des Möglichen, nicht mehr zu arbeiten. Ich kann nach Timbuktu auswandern oder dir nicht beim Umzug helfen. Nur eben nicht fliegen oder mir einen dritten Arm wachsen lassen.

Wir sind schon längst frei

Eigentlich sind wir immer schon frei. Wir tun ja immer schon irgendwelche Dinge – ob bewusst oder nicht. Wir entscheiden uns damit fortwährend für oder gegen etwas und haben immer die Wahl, uns anders zu entscheiden. Ich werde vermutlich weiter Geld verdienen, weil ich gerne arbeite und eine Bank werde ich wohl nicht ausrauben, weil ich keine Lust habe, im Gefängnis zu sitzen. Wenn ich es so wollte und mit der Konsequenz leben könnte, stünde mir aber nichts im Wege. Ich entscheide über mein Leben und für jede Entscheidung bin nur ich ganz alleine verantwortlich. Niemand sonst und schon gar keine äußeren Zwänge. Wenn das mal kein guter Gedanke ist.


Bilder: Moritz Stoll

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