Wie benutze ich ein Notizbuch sinnvoll?

Notizbücher auf einer Wiese

Skizzenbücher und Notizbücher – ich habe mittlerweile so viele davon, dass ich nicht mehr weiß, wohin damit. Und es werden mit Sicherheit nicht weniger, denn ich liebe sie und ich werde sie immer benutzen. Dass der Inhalt dieser kleinen schwarzen Büchlein aber von besonderem Wert wäre, kann ich nicht immer behaupten. Sie sind nicht schön gestaltet oder gut strukturiert. Man findet darin nichts einfach wieder. Darum geht es aber auch gar nicht. Wer versucht, Notizbücher sinnvoll und gut zu füllen, der benutzt sie in meinen Augen falsch. Auch wenn es bei so etwas individuellem natürlich kein „Richtig“ oder „Falsch“ gibt. In diesem Artikel zeige ich euch aber meinen Ansatz für das Führen von Notizbüchern. Sozusagen die Modulo-Methode.

Über diese Methode

Die Methode, die ich euch in diesem Artikel zeige, funktioniert für mich und für das, was ich möchte. Ich möchte mit einem Notizbuch einen Ort haben, an dem ich mich befreit austoben kann. In dem ich meiner Kreativität freien Lauf lassen kann. Falls ihr das ebenfalls wollt, könnte sie für euch das Richtige sein. Falls nicht, müsst ihr weitersuchen. Es gibt Menschen, die kaufen sich so ein Notizbuch mit einem anderen Ziel. Beispielsweise, um sich zu strukturieren oder Dinge zu organisieren. Denen würde ich meine Herangehensweise nicht unbedingt empfehlen.

Hier ein paar Eindrücke aus meinem Skizzenbuch:

Nicht zerdenken!

Meine erste Regel bei der Nutzung eines Notizbuches lautet: Nicht zerdenken! Auf gar keinen Fall solltet ihr darüber nachdenken, wie ihr in euer Notizbuch malt, schreibt oder sonst was macht. Das ist nämlich nicht der Sinn dieser Bücher. Zumindest nicht in meiner Methode. Vielmehr sollt ihr in euer Notiz- oder Skizzenbuch einfach ALLES reinschreiben, was euch in den Sinn kommt. Wenn das dann strukturiert ist, weil euer Gehirn nun mal so funktioniert: Wunderbar. Wenn ihr völlige Chaoten seid, wird man das eurem Notizbuch natürlich auch ansehen. Aber das ist okay, denn ihr benutzt es ja nur für euch.

Eine Seite verunstalten

Es gibt einen Trick, um sich davor zu bewahren, ein Notizbuch zu akkurat und verkopft zu benutzen. Nehmt euch einen Stift und verunstaltet einfach eine Seite mitten im Notizbuch. Macht sie richtig hässlich, sodass ihr sie euch gar nicht mehr angucken wollt. Euer Notizbuch als „Gesamtkunstwerk“ anzusehen, könnt ihr dann nämlich vergessen. Diese verunstaltete Seite zerstört jede Struktur und ist ein einziger Schandfleck. Gut so, denn in eurem Notizbuch soll es keine guten und schlechten Seiten geben. Jede Seite ist einfach eine Seite, die ihr benutzen könnt.

Keine Kategorien anlegen

Ich habe schon häufig versucht, Themenspezifische Skizzenbücher und kategorisierte Notizbücher zu führen und so dem Chaos in den einzelnen Bereichen wenigstens etwas Struktur zu geben. Blödsinn, sage ich euch! Das funktioniert nicht. Denn, wie wir weiter unten im Text sehen werden, sollte man sein Notizbuch immer irgendwie griffbereit haben. Nicht etwa, weil einem ansonsten furchtbar wichtige Gedanken verloren gehen (die kann man ja auch ins Handy schreiben), sondern weil es immer etwas sein sollte, in das man lose Gedanken „hineinrotzen“ kann.

Wenn ich aber für jede meiner Interessen ein eigenes Notizbuch immer dabei hätte, bräuchte ich einen kleinen Bollerwagen, den ich überall mit hinnehmen kann. Außerdem: Das Notizbuch bildet euch und eure Gedankenwelt ab. Dafür braucht es keine Kategorie. Ihr selbst seid die Kategorie. Warum solltet ihr die Gedanken zu einem beruflichen Thema, zu Emotionen, die ihr „privat“ durchlebt und einem Hobby-Projekt trennen. Die einzelnen Module unserer Persönlichkeit sind verzahnt und indem wir sie in verschiedene Kategorien pressen, entgehen uns vielleicht wertvolle Verbindungen.

Nicht zu viel Bedeutung beimessen

Messt dem, was ihr in euer Notizbuch schreibt oder malt nicht allzu viel Bedeutung bei. Sonst bekommt alles, was ihr eintragt eine unglaubliche schwere. Die wollen wir in der Modulo-Methode aber nicht. Wir wollen einfach raushauen, rumspielen und rumkritzeln. Wenn ihr jedem Wort, jeder Zeichnung eine Bedeutung beimesst, dann traut ihr euch vielleicht irgendwann nicht mehr, völlig befreit drauf loszuschreiben. Aber das wäre sehr schade, weil ihr dann vielleicht ganz gute Gedanken zurückhaltet. Wenn ihr das wollt, können die Worte und Zeichnungen in eurem Buch nicht mehr als Kritzeleien sein. Glaubt mir, es so zu sehen, befreit ungemein.

Immer dabei haben und zur Gewohnheit werden lassen

Ihr solltet euer Notizbuch immer dabei haben. Egal wo ihr seid und was ihr tut. Ihr müsst es nicht immer benutzen, denn wie wir schon gelernt haben, sind so strukturierte Regeln eher kontraproduktiv, aber ihr könnt es immer benutzen. Beim Warten auf den Bus, in der Bahn oder während eines Video-Calls hilft es einfach, das geöffnete Notizbuch vor euch liegen und einen Stift in der Hand zu haben. Meist verselbstständigt sich eure Hand dann und ihr fangt an, darin herumzukritzeln. Das ist gut! Es soll zur Gewohnheit werden, eure Gedanken und Gefühle möglichst ungefiltert in dieses Buch zu bringen. Nebensächlichkeit kann da genau das Richtige sein.

Good Luck, Have Fun

Und jetzt nehmt euch euer Notizbuch vor und legt los. Macht einfach irgendwas, denkt nicht so viel nach und versucht gar nicht erst, irgendetwas Tolles zu Papier zu bringen. Wenn das kommt, kommt das ganz von alleine. Notizbücher und Skizzenbücher sollen Spaß machen und Raum für Kreativität bieten. Muster und Regelmäßigkeiten kommen meist ganz unterbewusst und von selbst. Viel Spaß.

Ich benutze übrigens immer kleine, schlichte Schwarze Notizbücher. Die Klassiker sind wohl Moleskine oder Leuchtturm, aber die sind teuer. Die von Clairefonatine haben beinahe etwas besseres Papier und kosten nur die Hälfte.

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