Was Menschen in der Hundeschule lernen

Ich bin jetzt seit drei Monaten stolzer „Mitbesitzer“ eines Hundes. Einer Hündin, um es korrekt zu formulieren. Ich war nie ein sonderlicher Hundemensch und hatte auch nie eine großartige Bindung zu Tieren. Das ist jetzt anders und vor allem lernt man als Mensch durch so einen Hund und dessen Erziehung eine ganze Menge über sich selbst. Das hier sind die Dinge, die ich durch Minnie und ihre Erziehung gelernt habe.

Klar sagen, was ich will und was nicht

Wenn man einen Hund erzieht, dann geht es in erster Linie darum dem Hund zu erklären, was er darf und was nicht. Das geschieht manchmal über Kommandos, manchmal aber auch einfach über räumliche Beschränkung. Hunde sind allerdings nicht so super klug und können nicht wirklich „zwischen den Zeilen lesen“. Als Mensch ist man hier ziemlich gut beraten, sein eigenes Begehren klar und deutlich zu machen. „Lass das“ wirkt mehr als „Och Minnie, nicht auf‘s Sofa… aber gut einmal noch und dann aber nicht mehr“.

Auch wenn ich ständig so mit meinem Hund spreche, merke ich doch, dass klare Signale mehr Wirkung haben. Das gilt auch für das Zwischenmenschliche. Klar zu sagen, was man möchte macht es anderen Menschen nämlich sehr viel leichter, herauszufinden, was man möchte. Außerdem übt man durch so einen Hund auch, sich darüber bewusst zu sein, was man gerne möchte und was nicht!

Ruhig und Geduldig zu bleiben

Wie schon gesagt, sind Hunde nicht so richtig schlau. Und dann haben sie manchmal noch Angst und sind verwirrt. Dadurch tun sie dann häufig nicht das, was man gerne von ihnen hätte. Das wiederum nervt manchmal ganz schön und sorgt für Frust und auch Wut. Unser Hund beispielsweise hat eine ganze Zeit lang andere Hunde auf Entfernung angekläfft. Aus Angst. Das war natürlich nicht okay und es war wahnsinnig frustrierend, sie davon nicht abhalten zu können. Letztlich musste sie nur lernen, dass ihr nichts passiert und dass wir Menschen uns schon um so Dinge wie „andere Hunde“ kümmern.

Bis sie das verinnerlicht hatte, war einfach ruhig bleiben und nicht über dieses „Fehlverhalten“ ärgern angesagt. Auch wenn das schwer war. Denn sie hatte ja Angst und sollten aber vertrauen. Sie anzuschnauzen, hätte einen gegenteiligen Effekt gehabt. So lernt man aber auf jeden Fall, besser mit Frust umzugehen.

Auch mal die Schnauze zu halten

Ich rede eigentlich immer und kann Stille nicht gut ertragen. Mit so einem Hund braucht man allerdings wenn überhaupt nur sehr sporadisch zu reden. Ich musste feststellen, dass Hunde sich viel weniger für den Stand meiner derzeitigen Projekte interessieren, als ich anfangs angenommen hatte. Viel zu reden hat außerdem noch einen ganz negativen Effekt. Denn die Kommandos, auf die der Hund hören soll (Nein, Lass das, Sitz, Platz und dergleichen) gehen in meinem gebrabbel irgendwie verloren. Tatsächlich kriegen Hunde nach zu viel Gelaber irgendwann eine „Fuck You“-Haltung und hören auf gar nichts mehr.

Stille auszuhalten und auch mal zu schweigen, ist im Übrigen auch unter Menschen gar nicht so verkehrt. Natürlich sind wir etwas klüger als Hunde, aber auch wir kommunizieren nonverbal und sind dabei oft deutlich direkter und ehrlicher. Mal ruhig zu sein und auf die Signale des Gegenübers einzugehen, kann durchaus eine gute Sache sein.

Entscheidungen treffen und ihnen zu vertrauen

Hunde ordnen sich dem Menschen unter – sollten sie zumindest, falls man daran festhält, das Leben eines Menschen zu leben und nicht das eines Hundes. Das bedeutet aber, das wir Menschen die Verantwortung haben und dementsprechend immer wieder Entscheidungen treffen müssen. Und zwar ohne lange zu überlegen sondern ganz direkt. „Wir machen jetzt das.“ oder „Das darfst du und das darfst du nicht.“

Dabei habe ich eines gelernt. Entscheidungen zu treffen ist eigentlich immer besser, als keine zu treffen. Letzteres bedeutet nämlich die Kontrolle komplett abzugeben. Macht man das bei seinem Hund, tanzt der einem irgendwann auf der Nase herum. Macht man das im Leben, wird man vermutlich irgendwann eher unzufrieden.

Man kann also von der Beziehung zu einem Hund eine ganze Menge lernen. Das waren die Dinge, die ich dadurch gelernt habe. Andere Menschen lernen sicher ganz andere Dinge. Manchmal kann es aber gut sein, das „Mensch sein“ einfach etwas weniger „menschlich“ und damit „kopflastig“ zu gestalten. Übrigens muss man dabei aber nicht zu einem Martin Rütter guckenden Hundemenschen werden. Kann man aber, falls man da zu Lust hat!

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