Über das Lernen – Kochen als ideale Metapher

Junge am Schreibtisch

Ich versuche permanent, etwas Neues zu lernen, in neue Bereiche einzutauchen und neugierig zu bleiben. Das ist aber nicht immer einfach. Häufig steht man vor einem Themenfeld und sieht nichts weiter als den riesigen Berg an Unterthemen und komplexen Zusammenhängen, den es zu bewältigen gilt. Versucht man den gesamten Berg auf einmal zu bewältigen, geht einem schnell die Puste aus. Stattdessen ist es sinnvoll, das Lernen stückweise anzugehen. Um sich das bewusst zu machen, ist das Kochen eine perfekte Metapher und zeigt uns, wie wir an diesen Berg herangehen sollten.

Kochen als Metapher für das Lernen

Ich habe vor kurzem für den Podcast Tech und Trara, dessen Host ich bin, mit Prof. Dr. Sebastian Pioch gesprochen. Er ist Professor für digital Entrepreneurship an der Hochschule Fresenius in Hamburg. Wir haben uns über das Gründen von Firmen unterhalten. Das Gründen und vor allem dessen Komplexität hat er mit dem Kochen verglichen. Ich fand diese Metapher sehr passend. So meinte Prof. Dr. Pioch, dass man beim Kochen ja auch nicht direkt mit einem 5-Gänge-Menü beginnt, sondern sich erstmal an kleineren Gerichten probiert. Man kocht anfangs vielleicht erstmal ein Ei, Nudeln mit Pesto, brät dann irgendwann ein Stück Fleisch und steigert sich langsam. So wird man immer besser. Ich würde diese Metapher aber sogar noch etwas ausweiten.

Zwar bezog Pioch sich mit dieser Metapher hauptsächlich auf das Gründen eines Unternehmens, ich finde aber wir können die Art, wie wir Kochen lernen, auf jedes Lernen übertragen. Egal, was wir neues lernen – sei es eine Programmiersprache, ein komplexes Strategiespiel oder irgendein anderer Skill – immer sollten wir klein Anfangen. Wir sollten die Aufgabe in kleine Teile zerlegen und uns mit den einzelnen Teilen befassen. Erst wenn wir diese verstanden haben, können wir anfangen, sie zu kombinieren und sie „frei“ zu benutzen.

Das Rezept – eine Starthilfe

Beim Kochen helfen uns Rezepte und Anleitungen, das Wissen, das wir benötigen, fachgerecht und stückweise zu erlangen. Ein Rezept führt uns Schritt für Schritt durch die Zubereitung eines Gerichtes. Es macht exakte Angaben über Mengen, Garzeiten und Handlungsabfolgen. Befolgen wir dieses Rezept und führen das Angewiesene durch, lernen wir. Wir lernen, wie man ein bestimmtest Gericht kocht. Beispielsweise, wie man ein Steak brät. Irgendwann können wir das auch ohne Rezept und uns dem Nächsten zuwenden. So lernen wir immer mehr Gerichte, die wir ohne Rezept kochen können. Wir bekommen ein Verständnis für Lebensmittel, Zusammenhänge und Zubereitungsmethoden, das wir bald sehr viel freier Anwenden können.

So ähnlich ist es auch mit dem Erlernen einer Sprache. Erst lernen wir die Basics, grammatikalische Regeln und ein paar Vokabeln. Ohne diese theoretischen Grundlagen können wir in der Sprache nicht sprechen. Doch durch das „Pauken“ verstehen wir die Zusammenhänge der Sprache immer besser, bilden Verknüpfungen und bald können wir in der Sprache auch ohne Hilfe sprechen. Der Schlüssel ist Geduld – auch wenn es schwer fällt. Damit wir mit etwas kreativ und frei umgehen und experimentieren können, müssen wir zuerst theoretisch lernen.

Auch beim Lernen einer Programmiersprache läuft das ähnlich. Hier halten wir uns anfangs auch an Guides, Tutorials und Dokumentationen, die uns Schritt für Schritt durch Beispiel-Projekte führen. Dabei erlangen wir ein tieferes Verständnis der Programmiersprache. Bald können wir die gelernten Dinge dann selbstständig benutzen und miteinander kombinieren.

Trockene Theorie und Kreativität dürfen sich abwechseln

Allerdings sind diese Theorie- und Kreativ-Phasen verzahnt. Niemand – auch kein angehender Koch – kocht erst einmal jedes Gericht der Welt nach Rezept, bis er anfängt, mit eigenen Rezepten zu experimentieren. Ebensowenig lernen Programmierer erst ALLES über eine Programmiersprache, bevor sie anfangen, eigenen Projekte zu entwickeln. Auch beim Lernen einer Sprache wechseln sich das „Studieren“ und das Anwenden ab. So lernen wir ein wenig und fangen dann an, zu frei sprechen. Solange, bis wir etwas sagen wollen, für das uns die Worte fehlen.

Ich stelle mir diesen Prozess gerne wie eine Spirale vor. Wir lernen erst ein paar Grundlagen, dann legen wir los. Wir kochen, programmieren oder sprechen. Irgendwann werden wir mit dem, was wir gelernt haben an eine Grenze stoßen. Dann heißt es: Lernen! Wieder studieren wir, halten uns an Rezepte und Anleitungen. Nach dieser Phase werden wir mehr Wissen und mehr Zusammenhänge verstanden haben. Gehen wir nun wieder in das kreative Anwenden sind wir freier, besser und bringen deutlich mehr Zustande. So geht das weiter und weiter, bis wir irgendwann richtig gut sind.

Den Spaß nicht vergessen

Ich selbst habe mich schon mehr als einmal bei dem Versuch ertappt, erst alles rein theoretisch in mich aufnehmen zu wollen, bevor ich anfange, Spaß mit einem Thema zu haben. Das mag auch für manche der richtige Weg sein – für mich allerdings nicht. Ich finde, wir sollten uns die Fun-Phasen, in denen wir einfach herumprobieren, beibehalten und Rezepte beiseite legen. Denn so bleiben wir motiviert und erinnern uns daran, weshalb wir etwas überhaupt lernen! Wenn dieser Ansatz in jeder Schule beherzigt würde, hätten Schüler vielleicht auch mehr Lust, auf das, was sie lernen. Immerhin erfährt man so eher, wofür man den ganzen Stoff eigentlich benutzen kann.

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